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Buchtipp: “Jedes Ich ist viele Teile” von Jochen Peichl

Quelle: aboutpixel.de / EvgeniTcherkasski

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“Jedes Ich ist viele Teile – Die inneren Selbstanteile als Ressource nutzen” Autor: Jochen Peichl

Schon die Einleitung, die ich sonst auch gerne bei Büchern überspringe, hat mich hier zum schmunzeln gebracht und neugierig gemacht. Hier beschreibt Jochen Peichl schon seine inneren Dialoge zum ersten Satz in seinem Buch und die sind recht turbulent: „Oh Gott, kennen Sie das auch, das ständige Gequatsche im Kopf, die inneren Dialoge und das Hin und Her der Meinungen und diese kränkbaren Empfindlichkeiten der zu kurz gekommenen Inneren Kindern? Dann sind sie hier richtig!“ Mit der Einleitung war ich gefangen und hoch motiviert weiter zu lesen.

Jochen Peichl gelingt es gut, die dominante Geschichte des Selbst aufzulösen und in viele inneren Teile zu dekonstruieren und damit ein verständliches Bild zu zeichnen von den inneren Teilen, die sich aufgrund von Sehnsüchten, Situationen, Bedürfnissen und Emotionen unterschiedlich zu Wort melden und in unser Leben gestaltend eingreifen. Er fasst die unterschiedlichen bestehenden Konzepte verständlich zusammen und verdichtet dieses Thema mit seinem Humor und eigenen Sichtweisen.

Heute fahre ich in den Urlaub und nehme meine „Selbste“ mit – gut, dass es bei der Bahn Gruppentickets gibt, sonst wird es echt teuer.

Er setzt sich über die Entstehung der Selbst-Anteile im Gehirn auseinander wie auch über die Entstehung von Inneren Bildern und dem Erleben selbst und beschreibt diese Vorgänge.

Besonders interessant ist die Auseinandersetzung über die, wie er es nennt „Regulation unangenehmer Gefühle“ wie sich getrieben fühlen oder inneren Unruhe, hin zur Entwicklung von Selbstfürsorge und Achtsamkeit mit sich. Es geht ihm dabei auch darum, Selbstverantwortung leichter übernehmen zu können zum Beispiel mit Hilfe des Inneren Beobachters. Wir sollen uns auf die innere Suche machen unseren Selbstwert anhand von unserer inneren Ressourcen wieder zu finden und zu festigen. Er bietet im Buch zwei Übungen an (den sicher von vielen schon bekannten „Sicheren Ort“) und schafft damit auch einen sehr praxisbezogenen Zugang zu diesem Thema. Er unterstreicht mit den Kapiteln über die inneren Kinder die Auseinandersetzung mit auch traumatischen (Kindheits-)Erinnerungen und deren Umgang damit (Innere Helfer, schwierige innere Kinder, usw.).

Zuletzt widmet sich Jochen Peichl noch dem Thema der, wie er es nennt: „Tanz von Gegenwart und Vergangenheit“ und rundet für mich den gesamten Spannungsbogen zum Thema der Inneren Teile damit gut ab.

Somit müssen kindliche Ego-States oder innere Kritiker, die wir uns am liebsten wegwünschen würden, mit Respekt behandelt werden, da sie niemals zufällig oder willkürlich die innere Bühne betreten, sondern immer Kommentare zu unserem Erleben in der Gegenwart darstellen und eine wichtige, früher gelernte und im unbewussten Gedächtnis abgespeicherte Information enthalten.

Viel Vergnügen beim Lesen dieses Buches wünscht

Nadja Kopeing-Geretschnig

Peichl, J. (2011) Jedes Ich ist viele Teile – Die inneren Selbst-Anteile als Ressource nutzen. 3. Auflage. München, Kösel-Verlag

soulutions bietet ein Seminar mit Jochen Peichl an mit dem Titel “Hypnosystemisches Arbeiten mit Inneren Teilen”. Mehr Informationen finden Sie dazu hier.

 

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